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Kommunale Wärmeplanung: Studie von Fraunhofer ISE und Öko-Institut zeigt große Unterschied - Wärmepumpen im Fokus - Wärmenetze sollen ausgebaut werden

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Freiburg - Die Wärmewende in Deutschland ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Kommunen müssen bis 2028 verbindliche Wärmepläne vorlegen, die den Umbau der Energieversorgung steuern. Eine neue Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und des Öko-Instituts zeigt nun erstmals Unterschiede, Chancen und Risiken der kommunalen Strategien auf.

Die kommunale Wärmeplanung bildet das Fundament der Wärmewende vor Ort, da unterschiedliche erneuerbare Wärmequellen und lokale Gebäudestrukturen maßgeschneiderte Lösungen erfordern. In dem Verbundprojekt KOMpare untersuchen die beteiligten Projektpartner, wie sich diese individuellen Ansätze langfristig mit den nationalen Klimazielen vereinbaren lassen, welche Wechselwirkungen zwischen lokaler Planung, übergeordneter Infrastruktur und Energiemärkten bestehen und wie kommunale Wärmepläne automatisiert ausgewertet werden können. Beteiligt sind Forschende des Fraunhofer ISE, des Öko-Instituts und des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) sowie Mitarbeitende von Trianel und Digikoo.

Wärmepumpen dominieren die kommunale Wärmewende
Mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG) sind rund 11.000 Kommunen verpflichtet, bis spätestens Ende Juni 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorzulegen. Die Studie von Fraunhofer ISE und Öko-Institut über alle Kommunengrößen hinweg wertet nun erstmals 113 kommunale Wärmepläne für 223 Kommunen aus dem gesamten Bundesgebiet aus. Die Ergebnisse zeigen, dass Wärmepumpen im Zentrum der kommunalen Wärmewende stehen, während größere Kommunen auch stark auf Wärmenetze setzen. „Über alle Pläne und Kommunengrößen hinweg zeigt sich, dass die Wärmepumpe die wesentliche Technologie für jene Gebiete ist, die sich nicht für eine zentrale Wärmeversorgung über Wärmenetze eignen“, erklärt Marc Stobbe, Energieexperte vom Öko-Institut.
Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern planen dagegen deutlich höhere Anteile leitungsgebundener Wärmeversorgung - zwischen 47 und 82 Prozent bis 2045. Kleinere, vor allem ländliche Kommunen verfolgen hingegen häufig dezentrale Strategien, die auf individuelle Heizsysteme und erneuerbare Einzeltechnologien setzen.

Wärmenetze im Ausbau, Integration von Gewerbe und Industrie kritisch
Die Studie zeigt zudem, dass der Anteil von Wärmenetzen über alle Kommunengrößen hinweg von derzeit 16 auf 40 Prozent steigen soll. Auch in diesen Netzen spielen Wärmepumpen eine wichtige Rolle für die zukünftige Wärmeversorgung. Nach Ansicht der Forschenden besteht ein zentrales Manko vieler Wärmeplanungen jedoch darin, dass sie die Nachfrage nach Raum- und Prozesswärme aus den Sektoren Gewerbe und Industrie nicht berücksichtigen.

„Hier ist Abhilfe dringend erforderlich, wenn die kommunale Wärmeplanung als Grundlage der Transformation für Netzbetreiber und Energieversorger dienen soll“, betont Dr. Jessica Thomsen, Projektleiterin am Fraunhofer ISE.

Damit die Netzinfrastruktur effizient ausgebaut werden kann, empfehlen die Forschenden eine stärkere Abstimmung zwischen dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz und dem Wärmeplanungsgesetz. Zudem brauche es langfristig verlässliche Fördermaßnahmen wie die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Unsicherheiten bei Biomasse und Energieeinsparungen
Die Analyse der Biomassepotenziale zeigt mehrere Inkonsistenzen: Kommunen verwenden unterschiedliche Definitionen dafür, was sie als Biomasse einordnen. So ist etwa unklar, ob Müll im Potenzial enthalten ist, welche Nachhaltigkeitskriterien für die Nutzung von Holz gelten und wie landwirtschaftliche Flächen oder Abfälle in die Berechnung der Potenziale eingehen. In vielen Plänen übersteigt der geplante Verbrauch biogener Energieträger darüber zudem das lokale verfügbare Potenzial. Dies weckt Zweifel an der langfristigen Nachhaltigkeit und Umsetzbarkeit.

Auch Annahmen zur Reduktion des Wärmebedarfs bleiben häufig unscharf. Viele Wärmepläne gehen von erheblichen Einsparungen aus, ohne klar zu benennen, ob diese durch energetische Gebäudesanierungen oder andere Effizienzmaßnahmen erreicht werden sollen. Das Forschungsteam empfiehlt deshalb, die Sanierungsrate für die kommunale Wärmeplanung einheitlich zu definieren.

Standardisierung und Kopplung von Gesetzen als Handlungsoption
Darüber hinaus schlagen die Forschenden vor, einen standardisierten Korridor für plausible Energieeinsparungen festzulegen. Kommunen könnten davon zwar abweichen, müssten diese Abweichungen jedoch begründen. Dadurch würden zentrale Annahmen transparenter und die Planungsgrundlagen für Netzbetreiber und Energieversorger verbessert.

Langfristig sollen im Rahmen des Projekts KOMpare weitere Auswertungsrunden erfolgen und zusätzliche kommunale Wärmepläne analysiert werden, um die Datengrundlage kontinuierlich zu erweitern.

© IWR, 2026


05.03.2026

 



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