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Smart Charging für mehr Netzstabilität: Projekt OctoFlexBW zeigt Potenzial für Redispatch

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Stuttgart - Redispatch sichert die Stabilität der Stromnetze, wird jedoch mit wachsender Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien auch komplexer. Ein Pilotprojekt zeigt nun, wie Elektrofahrzeuge als flexible Verbraucher aktiv eingebunden werden können, um das Engpassmanagement effizient zu unterstützen.

Im Projekt OctoFlexBW haben der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW und das Energieunternehmen Octopus Energy erfolgreich demonstriert, wie sich mehr als 700 Elektrofahrzeuge für Redispatch-Maßnahmen nutzen lassen. Die Ergebnisse zeigen, wie dezentrale Flexibilität wirtschaftlich integriert werden kann und neue Perspektiven für ein marktbasiertes System eröffnet.

Redispatch im Wandel: Flexibilität wird zum Schlüsselfaktor
Redispatch ist ein zentrales Instrument zur Sicherung der Netzstabilität. Dabei werden Erzeugungsanlagen gezielt gesteuert, um Netzengpässe auszugleichen. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien gewinnt diese Maßnahme weiter an Bedeutung - gleichzeitig wächst der Bedarf an flexiblen Lösungen.

Hier kommen mit der fortschreitenden Elektrifizierung insbesondere im Verkehrssektor neue Potenziale durch zusätzliche Flexibilitäten im Stromsystem ins Spiel. Im Jahr 2025 stiegen die Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen um 43,2 Prozent, ihr Anteil am Gesamtmarkt lag bei 19,1 Prozent. Damit entsteht eine wachsende Zahl dezentraler Batteriespeicher, die für Redispatchmaßnahmen nutzbar gemacht werden könnten.

Bislang wird Redispatch allerdings überwiegend noch durch konventionelle Kraftwerke umgesetzt. Die Integration von Elektrofahrzeugen eröffnet nun die Möglichkeit, diese Maßnahme um eine dezentrale, marktorientierte Komponente zu erweitern und vorhandene Flexibilität gezielt zu nutzen.

OctoFlexBW: Elektrofahrzeuge als Lösung für Redispatch 3.0
Das Pilotprojekt „OctoFlexBW“ von TransnetBW und Octopus Energy zeigt konkret, wie Elektrofahrzeuge in Redispatch-Prozesse integriert werden können. Ziel war es, alle technischen und energiewirtschaftlichen Abläufe vollständig abzubilden - von der Steuerung der Wallbox bis zur Systemführung des Übertragungsnetzbetreibers.

Im Projekt wurden mehr als 700 Elektrofahrzeuge aus Privathaushalten gebündelt. Sie stellten täglich rund 2 MWh an Flexibilität bereit. Hochgerechnet auf eine Million Fahrzeuge ergibt sich ein Potenzial von etwa 3 GWh pro Tag. Jährlich könnten so bis zu 0,5 Terawattstunden zur Netzstabilisierung beitragen und damit einen relevanten Anteil des Redispatch-Bedarfs decken.

Dr. Oliver Strangfeld von Transnet BW erklärt: „Mit der Integration der Elektrofahrzeuge aus Privathaushalten haben Transnet BW und Octopus Energy eindrucksvoll gezeigt, dass die von uns verfolgte marktliche Lösung für das Netzengpassmanagement einwandfrei funktioniert und für den Markthochlauf bereit ist.“

Projektablauf: Elektrofahrzeuge flexibel und komfortabel genutzt
Octopus Energy plante die Ladevorgänge so, dass die Fahrzeuge morgens vollgeladen sind und möglichst günstig geladen werden. Mithilfe der IT-Plattform KrakenFlex wurde das Verschiebepotenzial der Fahrzeuge ermittelt und die aggregierten Daten an die Transnet BW-Plattform DA/RE übermittelt. Bei prognostizierten Netzengpässen gab DA/RE ein Abrufsignal, das KrakenFlex automatisch in eine angepasste Ladestrategie übersetzte und die Fahrzeuge koordinierte - ohne dass die Nutzer Komforteinbußen hinnehmen mussten. Das System nutzte dabei das verfügbare Ladefenster jedes Fahrzeugs, also die Zeitspanne, in der das Auto am Netz hängt, um die Ladevorgänge optimal zu steuern.

Fahrzeughalter konnten weiterhin individuell festlegen, wann ihr Auto vollgeladen sein muss, und profitierten gleichzeitig von günstigeren Stromkosten über den Tarif „Intelligent Octopus“. Rückmeldungen aus dem Projekt zeigten eine hohe Akzeptanz und Bereitschaft, die eigene Flexibilität zur Unterstützung des Netzes bereitzustellen.

Auch wirtschaftlich ist der Ansatz attraktiv: „Verbraucher können ihre Flexibilität aktiv einbringen und gleichzeitig Kosten sparen. „Entweder bezahlen die Verbraucher den teuren Redispatch. Oder sie stellen ihre Flexibilität zur Verfügung und lassen sich bezahlen“, so Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy in Deutschland.

Ausblick: Vom Pilotprojekt zur marktbasierten Anwendung
Die Ergebnisse von OctoFlexBW verdeutlichen aus Sicht Transnet BW, dass Elektrofahrzeuge eine praktikable Ergänzung zum bestehenden Redispatch-System darstellen. Sie können dazu beitragen, Netzengpässe effizienter zu managen und gleichzeitig neue Marktmechanismen zu etablieren.

Im Folgeprojekt „DataFleX“ soll dieser Ansatz weiter skaliert werden – mit mehr als 1.000 Fahrzeugen sowie der Integration zusätzlicher Flexibilitäten wie Heimspeichern. Perspektivisch könnten auch Wärmepumpen eingebunden werden. Entscheidend für die breite Umsetzung ist nun ein geeigneter regulatorischer Rahmen. Nur mit einer freien Bahn in der Regulatorik können Elektrofahrzeuge ihr volles Potenzial für das Gesamtsystem entfalten, Netzentgelte senken und aktiv zur Stabilität und Effizienz des Stromsystems beitragen.


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26.03.2026

 



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