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Atomkraftwerke in Deutschland: Was nach der Kernenergie mit den AKW-Standorten passiert

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Münster - Die Nutzung der Atomenergie in Deutschland ist beendet. Auch wenn in der öffentlichen Diskussion weiterhin über eine mögliche Renaissance oder Reaktivierung von Kernkraftwerken gesprochen wird, ist die Folgenutzung der ehemaligen Atomkraftwerksstandorte bereits weitgehend festgelegt – und in Teilen bereits in der Umsetzung.

Mit der jüngst erteilten letzten Rückbaugenehmigung in Grohnde erreicht ein weiteres Kernkraftwerk formal die nächste Phase des Rückbaus. An vielen ehemaligen AKW-Standorten zeigt sich ein klarer Wandel: Nicht mehr die Stromerzeugung, sondern die vorhandene Netzinfrastruktur und Standortqualität sind entscheidend für die Nachfolgenutzung. Mit Batteriespeichern, Wasserstoffprojekten bis hin zu flexiblen Erzeugungskapazitäten werden neue Energie-Hubs der Strom- und Wärmewende entwickelt.

Atomkraftwerks-Standort Grohnde (Niedersachsen) – Netz- und Speicherhub im Norden
Am Standort Grohnde war bis zur endgültigen Abschaltung ein Druckwasserreaktor mit einer Bruttoleistung von rund 1.430 Megawatt in Betrieb. Nach rund 36 Jahren Betriebszeit wurde die Anlage am 31. Dezember 2021 vom Netz genommen. Die erste Stilllegungs- und Rückbaugenehmigung für das Atomkraftwerk Grohnde war bereits im Dezember 2023 erteilt worden. Die nun erteilte zweite Genehmigung basiert auf einem Antrag der Betreiberin PreussenElektra aus dem Jahr 2024.

Das Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle bleibt davon unberührt. Grohnde befindet sich bereits in der Rückbauphase und wird gleichzeitig als künftiger Energieinfrastruktur-Knoten weiterentwickelt.

Im Fokus der Nachnutzung stehen ein großer Batteriespeicher, ein Solarpark mit rund 72 MW sowie ein neues Umspannwerk zur Integration zusätzlicher Nord-Süd-Stromflüsse. Aufgrund der bestehenden Netzanbindung gilt Grohnde als potenzieller zentraler Netz- und Speicherhub im norddeutschen Stromsystem.

Atomkraftwerks-Standort Gundremmingen (Bayern) – Großspeicher- und Infrastrukturstandort im Süden
Der Standort Gundremmingen war über Jahrzehnte der leistungsstärkste Kernkraftwerksstandort Deutschlands. Die beiden letzten Blöcke B und C verfügten jeweils über eine Bruttoleistung von rund 1.344 Megawatt. Block B wurde 2017 nach rund 33 Jahren Betriebszeit abgeschaltet, Block C Ende 2021 nach rund 36 Jahren.
Der frühere Block A wurde in Folge eines schweren Störfalls bereits 1977 nach rund 10 Jahren Betriebszeit endgültig stillgelegt.

Heute befindet sich der Standort im Rückbau und wird gleichzeitig als potenzieller Standort für großskalige Energiespeicher und Netzstabilisierung diskutiert. Durch die Lage im süddeutschen Raum steht insbesondere die Einbindung in zukünftige Wasserstoff- und Stromnetzstrukturen im Fokus.

Gundremmingen entwickelt sich damit perspektivisch zu einem Großspeicher- und Infrastrukturstandort für die süddeutsche Energiewende.

Atomkraftwerks-Standort Isar (Bayern) – integrierter Energie-Hub für Strom, Speicher und flexible Erzeugung
Der Standort Isar gehört zu den zuletzt stillgelegten Kernkraftwerken in Deutschland. Block 2 verfügte über eine Bruttoleistung von 1.485 Megawatt und wurde im April 2023 nach rund 35 Jahren Betriebszeit abgeschaltet. Block 1 war bereits 2011 nach rund 32 Jahren Betriebszeit endgültig stillgelegt worden.

Für den Standort Isar liegen bereits konkrete Transformationspläne vor: RWE entwickelt dort ein integriertes Energieprojekt aus Batteriespeicher, Photovoltaik und einem flexibel einsetzbaren Gaskraftwerksstandort. Ziel ist es, die bestehende Netzinfrastruktur weiter zu nutzen und gleichzeitig regelbare Leistung für die Energiewende bereitzustellen.

Isar gilt damit als Beispiel für den Umbau eines früheren Grundlaststandorts zu einem flexiblen Energie-Hub mit Speicher-, Solar- und Backup-Kapazitäten.

Atomkraftwerks-Standort Philippsburg (Baden-Württemberg) – Netz- und Speicherstandort im Südwesten
In Philippsburg wurde Block 2 mit 1.468 Megawatt brutto Ende 2019 nach rund 35 Jahren Betriebszeit abgeschaltet. Block 1 mit 926 Megawatt war bereits 2011 nach rund 32 Jahren Betriebszeit vom Netz gegangen.

Philippsburg entwickelt sich damit zu einem klassischen Netz- und Speicherstandort der Energiewende im Südwesten Deutschlands. Philippsburg ist der südliche Konverter- und Einspeiseknoten der HGÜ-Verbindung Ultranet (2 GW) in Richtung Osterath (NRW). EnBW nutzt den leistungsstärksten Netzknoten im Land weiter, u.a. sind Großbatteriespeicher vorgesehen.

Atomkraftwerks-Standort Lingen (Niedersachsen) – Wasserstoff im Fokus
Auch der Standort Lingen gehört zur letzten Generation deutscher Kernkraftwerke. Der Block 2 (Emsland) mit rund 1.406 Megawatt wurde im April 2023 nach rund 35 Jahren Betriebszeit abgeschaltet, Block 1 bereits 1977 nach rund 10 Jahren Betriebszeit.
Neben dem Rückbau entwickelt sich Lingen zunehmend zu einem Standort für Wasserstoffprojekte und industrielle Energiewandlung. Insbesondere die Nähe zu bestehender Gasinfrastruktur spielt dabei eine zentrale Rolle.

Der Standort gilt damit als potenzieller Knotenpunkt der entstehenden Wasserstoffwirtschaft im Nordwesten Deutschlands.

Über den Atomausstieg in Deutschland
Der Einstieg in den Atomausstieg erfolgte in Deutschland mit dem von der rot-grünen Bundesregierung beschlossenen Atomkonsens 2000/2001 und der gesetzlichen Regelung 2002, ohne konkrete Abschaltdaten einzelner Atomkraftwerke. Die Begrenzung erfolgte über die Atomstrommenge, so dass der Ausstieg bis spätestens 2021 erfolgt wäre.

Am 28. Oktober 2010 beschloss die Bunderegierung CDU/CSU und FDP eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke um acht bzw. 14 Jahre. Danach wären die letzten Atomkraftwerke um das Jahr 2035 vom Netz gegangen.

Im Jahr 2011 beschloss die Bundesregierung (CDU/CSU, FDP) nach dem Atomunfall von Fukushima im März 2011 den Atomausstieg bis 2022 und legte die Abschalttermine für jedes einzelne, namentlich genannte Atomkraftwerk im Atom-Ausstiegsgesetz (BGBl. I 2011, S.1704) fest.

Als Reaktion auf die Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat die Ampel (SPD, Grüne, FDP) im Herbst 2022 die Laufzeit der letzten drei in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke um drei Monate verlängert. Die Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 wurden im Streckbetrieb noch bis zum 15. April 2023 betrieben.

Bild: Börsen-Strompreise am Termin- und Spotmarkt von 2008 - 2025 - IWR, Daten: EEX, EPEX-Spot

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20.05.2026

 



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