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Batteriespeicher ohne Lithium: Heidelberg und Phenogy bündeln Kompetenzen für Natrium-Ionen-Speicher

© Heidelberg / Phenogy© Heidelberg / Phenogy

Wiesloch – Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druckmaschinen (Heidelberg) steigt über seine Tochter HD Advanced Technologies (HDAT) in die industrielle Fertigung von Batteriespeichern ein und bündelt seine Kompetenzen mit dem Schweizer Speicherentwickler Phenogy, um eine europäische Wertschöpfungskette für lithium- und kobaltfreie Natrium-Ionen-Technologie aufzubauen.

Bei der Lithium-Raffinierung entfielen 2024 laut Internationaler Energieagentur 96 Prozent auf die drei größten Länder. Bei der Förderung lag der Anteil der drei größten Länder bei 77 Prozent. Angesichts hoher geopolitischer Spannungen und jüngster Exportbeschränkungen gilt die Natrium-Ionen-Batterie in Forschung und Industrie zunehmend als aussichtsreiche, weniger von kritischen Rohstoffen und Lieferketten abhängige Alternative zur Lithium-Ionen-Technologie.

Fertigungsvertrag: HDAT produziert künftig in Deutschland und perspektivisch in den USA
HD Advanced Technologies (HDAT), eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Heidelberg mit Kompetenzen in den Bereichen Defense, Security und Energy, übernimmt für die Phenogy AG mit Sitz in Root bei Luzern (Schweiz) die industrielle Fertigung kompletter Batterie-Energiespeichersysteme.

Der langfristige Rahmenliefervertrag deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Beschaffung und Produktion der Cabinets, Container und weiteren Systemprodukte bis zu Rollout, Installation, Service und Wartung. Produziert werden soll zunächst in Deutschland für den europäischen Markt, perspektivisch soll eine Fertigung in den USA für Nordamerika folgen. Die 2019 gegründete Phenogy AG ist an Standorten in Root bei Luzern, Bremen, im US-Bundesstaat South Carolina sowie in Singapur vertreten.

Joint Venture in Vorbereitung: Phenogy-Zellchemie trifft auf Heidelberg-Druckverfahren
Parallel schaffen beide Unternehmen die Voraussetzungen für ein Joint Venture zur Entwicklung und industriellen Fertigung von Natrium-Ionen-Batteriezellen. Phenogy bringt dafür seine Zellchemie und sein Zelldesign ein, Heidelberg ein spezifisches Druckverfahren aus der eigenen Technologiebasis. Gemeinsam wollen die Partner den gesamten Weg von Forschung und Entwicklung bis zur industriellen Zellfertigung abdecken und dabei auch neuartige Zellformate mit besonderen Anforderungen an Bauform und Leistungsparameter ermöglichen. Der Fokus des geplanten Joint Ventures liegt auf Anwendungen mit hohen Anforderungen wie kritischen Infrastrukturen (KRITIS), Verteidigung und Mobilität.

Strategischer Rahmen: Souveränität als gemeinsames Ziel
Die eingesetzte Natrium-Ionen-Technologie kommt ohne Lithium und Kobalt aus und basiert auf breit verfügbaren Rohstoffen, wodurch sie die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen und Lieferketten strukturell reduzieren soll. Phenogy-CEO Peter E. Braun ordnet die Partnerschaft entsprechend ein: "Europa braucht Batterietechnologien für eine echte Energiesouveränität. Unsere Partnerschaft mit Heidelberg schließt endlich die Lücke zwischen der Entwicklung von Technologien und den Fähigkeiten, diese im zu industriellen Maßstab verfügbar zu machen." HDAT-CEO Michael Wellenzohn verweist auf die komplementären Rollen der Partner: "Als Fertigungspartner bringen wir die stationären Energiespeichersysteme von Phenogy in Serie. Gemeinsam mit Phenogy schaffen wir eine europäische Technologie- und Industrieplattform für Natrium-Ionen-Batterietechnologie."

Mit dem Zusammenschluss von etablierter Fertigungskompetenz und neuer Zellchemie positionieren sich Heidelberg und Phenogy in einem regulatorischen Umfeld, in dem die EU mit dem Critical Raw Materials Act ihre Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern bei kritischen Rohstoffen verringern und bis 2030 eigene Kapazitäten für Abbau, Verarbeitung und Recycling ausbauen will. Ob aus den geschaffenen Voraussetzungen tatsächlich ein Joint Venture wird, ist derzeit allerdings noch offen.

© IWR, 2026


24.08.2026

 



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