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Wandel im Stromnetz: SMA erhält erste Zertifizierung für Bereitstellung von Momentanreserve

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Niestetal - Die SMA Solar Technology AG hat nach eigenen Angaben die erste Zertifizierung nach dem VDE FNN Hinweis für netzbildende Eigenschaften einschließlich der Bereitstellung von Momentanreserve erhalten. Damit ist eine wichtige technische Voraussetzung geschaffen, um netzbildende Wechselrichter in Großbatteriespeichern für die Bereitstellung von Momentanreserve einzusetzen.

Hinter der Zertifizierung steht der grundlegende Wandel des Stromsystems. Die bisher vor allem von konventionellen Kraftwerken bereitgestellte Momentanreserve soll künftig zunehmend von Großbatteriespeichern mit netzbildenden Wechselrichtern übernommen werden. Damit übernehmen Speicher eine weitere netzdienliche Funktion, die von den Übertragungsnetzbetreibern marktgestützt beschafft wird.

Stromnetz: Netzbildende Wechselrichter übernehmen neue Aufgaben
Der VDE FNN Hinweis „Technische Anforderungen an Netzbildende Eigenschaften inklusive der Bereitstellung von Momentanreserve“ definiert Anforderungen und Nachweisverfahren für netzbildende Einheiten und Anlagen. Damit wird festgelegt, wie umrichterbasierte Anlagen Momentanreserve und weitere netzbildende Eigenschaften nachweisen können.
Die SMA-Zertifizierung gilt für die Batterie-Wechselrichterplattform Sunny Central Storage UP-S. Anders als herkömmliche netzfolgende Wechselrichter orientieren sich netzbildende Systeme nicht lediglich an einer vorhandenen Netzspannung und Netzfrequenz. Sie können selbst netzbildende Eigenschaften bereitstellen und damit zur Stabilisierung eines zunehmend von leistungselektronischen Umrichtern geprägten Stromsystems beitragen.

„Die Energiewende erreicht eine neue Phase, in der Batteriespeicher zunehmend Aufgaben für die Netzstabilität übernehmen. Systeme mit netzbildenden Wechselrichtern können genau diese Stabilitätsdienstleistungen bereitstellen. Mit dieser Zertifizierung schaffen wir eine wichtige Voraussetzung dafür, diese Technologien künftig breiter einzusetzen und den Umbau der Stromversorgung aktiv zu unterstützen“, so SMA-COO Olaf Heyden.

Momentanreserve: Konventionelle Kraftwerke lieferten Netzstabilität bislang automatisch mit
Momentanreserve ist eine unmittelbar wirkende Systemdienstleistung, die bei einem plötzlichen Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Verbrauch die Änderung der Netzfrequenz begrenzt. Fällt beispielsweise eine größere Erzeugungsanlage aus, wirkt sie praktisch ohne Verzögerung und stabilisiert das Stromsystem, bis weitere Mechanismen zur Frequenzhaltung greifen.

Bislang wurde diese Funktion überwiegend automatisch von den Synchronmaschinen konventioneller Kraftwerke erbracht. Die rotierenden Massen von Turbinen und Generatoren speichern kinetische Energie und reagieren aufgrund ihrer physikalischen Trägheit unmittelbar auf Leistungsungleichgewichte. Bei einem plötzlichen Erzeugungsausfall geben sie kurzfristig Energie ab und bremsen so den Frequenzabfall.

Mit dem Rückgang konventioneller Kraftwerke nimmt diese klassische Quelle von Momentanreserve ab. Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie Batteriespeicher sind dagegen überwiegend über Leistungselektronik mit dem Netz verbunden. Netzbildende Wechselrichter können das Verhalten synchroner Generatoren technisch nachbilden und damit auch Batteriespeicher für diese Aufgabe nutzbar machen.

Monopolbetrieb: Übertragungsnetzbetreiber beschaffen Momentanreserve am Markt
Für die Systemstabilität sind die Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich. Die benötigte Momentanreserve beschaffen sie als Systemdienstleistung am Markt, bereitgestellt wird sie von Anlagen anderer Marktteilnehmer. Damit wird eine bislang unmittelbar mit dem Betrieb konventioneller Kraftwerke verbundene physikalische Eigenschaft zunehmend zu einer eigenständig beschafften Systemdienstleistung.

Die Bundesnetzagentur hat im April 2025 die Vorgaben für die transparente, diskriminierungsfreie und marktgestützte Beschaffung von Momentanreserve festgelegt. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW starteten die Beschaffung im Januar 2026. Der erste Beschaffungszeitraum läuft bis Januar 2028.
Dabei geht es nicht um den marktgetriebenen Einsatz von Batteriespeichern etwa zur Nutzung von Preisunterschieden am Strommarkt. Die Übertragungsnetzbetreiber bestimmen den Bedarf und organisieren die Beschaffung einer für den sicheren Netzbetrieb erforderlichen Systemdienstleistung. Neben Batteriespeichern kommen grundsätzlich weitere Anlagen mit entsprechenden netzbildenden Eigenschaften für die Bereitstellung in Betracht.

Die SMA-Zertifizierung steht damit für einen weiteren Schritt bei der Transformation des Stromsystems. Batteriespeicher können neben Stromhandel, Regelenergie und der zeitlichen Verschiebung von Strom zunehmend netzdienliche Aufgaben übernehmen, die bislang eng mit konventionellen Kraftwerken verbunden waren. Ein weiterer Baustein der Systemstabilität verlagert sich damit von der konventionellen Kraftwerkstechnik auf umrichterbasierte Technologien.

© IWR, 2026


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