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Nel und Rheinmetall kooperieren bei E-Fuels: Dezentrale Kraftstoffproduktion soll Versorgungssicherheit stärken

© Nel ASA© Nel ASA

Oslo - Der norwegische Elektrolyseurhersteller Nel ASA und der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall wollen bei der dezentralen Herstellung synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Beide Unternehmen haben dazu eine unverbindliche Absichtserklärung (MoU) unterzeichnet. Im Mittelpunkt steht zunächst der norwegische Markt.

Die sichere Versorgung mit Kraftstoffen gewinnt angesichts geopolitischer Spannungen für militärische Einrichtungen und kritische Infrastruktur an Bedeutung. Dezentrale Power-to-Liquid-Anlagen könnten künftig dazu beitragen, die Abhängigkeit von zentralen Raffinerien und langen internationalen Lieferketten zu verringern. Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe auf Basis erneuerbaren Wasserstoffs bietet dafür einen technologischen Ansatz, dessen Wirtschaftlichkeit und praktische Umsetzung allerdings noch nachgewiesen werden müssen.

Rheinmetalls Giga-PtX-Konzept: Nel liefert Wasserstofftechnologie
Rheinmetall verfolgt mit seinem Giga-PtX-Konzept die dezentrale Herstellung synthetischer Kraftstoffe. Vorgesehen sind modulare Produktionsanlagen, die auf einer Fläche von rund 100 mal 150 Metern jährlich 5.000 bis 7.000 Tonnen synthetischen Kraftstoff herstellen sollen. Mit der Kooperation mit Nel erweitert Rheinmetall sein bestehendes Partnernetzwerk für die technische Umsetzung des Konzepts.

Nel soll seine Elektrolyseurtechnologie zur Wasserstoffproduktion aus erneuerbarem Strom einbringen. Rheinmetall steuert das Giga-PtX-Konzept sowie Kompetenzen bei der Systemintegration und Erfahrung mit strategischer Infrastruktur bei. Aus dem Wasserstoff sollen unter Verwendung geeigneter Kohlenstoffquellen synthetische Kraftstoffe entstehen.

Ein Vorteil solcher Kraftstoffe besteht darin, dass sie bei entsprechender Spezifikation herkömmliche Kraftstoffe ersetzen können, ohne dass bestehende Fahrzeuge oder Maschinen umgerüstet werden müssen. Rheinmetall hebt diesen sogenannten Drop-in-Effekt insbesondere für militärische Anwendungen hervor.

Für Giga PtX hat Rheinmetall bereits mehrere Technologiepartner gewonnen: Sunfire und ITM Power im Bereich Elektrolyse, Greenlyte Carbon Technologies für die CO2-Gewinnung sowie INERATEC für die Kraftstoffsynthese. Mit Nel kommt ein weiterer Elektrolyseurhersteller hinzu, dessen Zusammenarbeit mit Rheinmetall zunächst auf Norwegen ausgerichtet ist.

Beide Unternehmen wollen mögliche Standorte, Infrastrukturvoraussetzungen, die Verfügbarkeit erneuerbaren Stroms und nachhaltiger Kohlenstoffquellen sowie geeignete Einsatzbereiche untersuchen. Auch Pilotprojekte sind möglich. Konkrete Investitionen, Produktionskapazitäten oder Zeitpläne für die Kooperation wurden nicht bekannt gegeben.

Norwegen als Ausgangsmarkt: Kraftstoffversorgung stärker dezentralisieren
Norwegen verfügt über umfangreiche Erdölvorkommen und eine weitgehend erneuerbare Stromversorgung. Die heimische Rohölverarbeitung konzentriert sich auf die Raffinerie Mongstad. Deren Produktionskapazität entspricht nach Angaben des Betreibers Equinor mehr als 80 Prozent des norwegischen jährlichen Kraftstoffbedarfs. Ein Teil der Raffinerieproduktion wird exportiert, während Norwegen zugleich raffinierte Kraftstoffe importiert. Nel sieht in diesen internationalen Lieferketten eine mögliche Schwachstelle für die nationale Versorgungssicherheit.

Dezentrale Produktionsanlagen könnten die bestehende Kraftstoffversorgung insbesondere bei Versorgungsunterbrechungen ergänzen. Die Zusammenarbeit zwischen Nel und Rheinmetall ist dabei nicht auf Norwegen beschränkt.

Eine weitere Besonderheit sind regionale Engpässe im norwegischen Stromnetz. Dezentrale Anlagen könnten nach Vorstellung von Nel erneuerbaren Strom näher am Erzeugungsort nutzen. Ob und in welchem Umfang dadurch tatsächlich Netzkapazitäten entlastet werden, hängt allerdings von der konkreten Stromversorgung und Standortwahl ab.

Dezentrale E-Fuel-Produktion zwischen Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit
Die Kooperation zwischen Nel ASA und Rheinmetall zeigt, dass synthetische Kraftstoffe nicht nur als Möglichkeit zur Emissionsminderung, sondern auch zur Absicherung strategischer Energieversorgung betrachtet werden. Während größere Power-to-Liquid-Anlagen von Skaleneffekten profitieren können, sollen dezentrale Konzepte die Abhängigkeit einzelner Standorte von zentralen Versorgungsstrukturen verringern.

Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe bleibt allerdings energieintensiv. Neben erneuerbarem Strom werden Wasserstoff, geeignete Kohlenstoffquellen und zusätzliche Umwandlungsschritte benötigt. Ob kleinere dezentrale Anlagen unter diesen Voraussetzungen wirtschaftlich betrieben werden können, ist noch offen.

Für Nel ist das Verteidigungsgeschäft kein neues Anwendungsfeld. Der Elektrolyseurhersteller beliefert Collins Aerospace bereits seit mehr als zehn Jahren mit PEM-Elektrolyseurtechnologie für U-Boot-Anwendungen. Ende September 2026 meldete Nel weitere Bestellungen, die den Auftragseingang von Collins Aerospace im September auf insgesamt rund 20 Mio. US-Dollar erhöhten. Die Aufträge wurden im dritten Quartal 2026 als Auftragseingang erfasst, die Auslieferungen der größeren September-Bestellungen sind für 2027 und 2028 vorgesehen. Die unverbindliche Rheinmetall-Kooperation eröffnet dagegen zunächst lediglich zusätzliche Geschäftsperspektiven bei der dezentralen Kraftstoffproduktion. Ob daraus konkrete Lieferaufträge entstehen, bleibt offen.

© IWR, 2026


13.10.2026

 



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