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Ausbau der Stromverteilnetze: Mehr Flexibilität könnte bis 2045 rund 66 Milliarden Euro sparen

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Berlin - Beim Ausbau der deutschen Stromverteilnetze könnten bis 2045 durch eine effizientere Netzplanung und stärkere Flexibilisierung rund 66 Mrd. Euro eingespart werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Agora Energiewende, die erhebliche Einsparmöglichkeiten beim künftigen Netzausbau aufzeigt.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung von Verkehr, Wärme und Industrie wächst der Investitionsbedarf in die Stromverteilnetze. Die damit verbundenen Kosten wirken sich langfristig auf die Netzentgelte und damit auf die Strompreise aus. Vor diesem Hintergrund ist eine möglichst kosteneffiziente Gestaltung des notwendigen Netzausbaus von hoher wirtschaftlicher Bedeutung.

Agora-Studie: Netzausbaukosten könnten um mehr als ein Viertel sinken

Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens Consentec und der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) im Auftrag von Agora Energiewende wären bei einer konventionellen Ausbauplanung bis 2045 Investitionen von rund 250 Mrd. Euro in die deutschen Stromverteilnetze erforderlich. Durch eine effizientere Netzplanung, flexible Anschlussbedingungen und die gezielte Begrenzung von Last- und Einspeisespitzen ließen sich davon rund 66 Mrd. Euro einsparen.

Das entspricht einer Reduzierung der Ausbaukosten um mehr als ein Viertel. Bereits ab 2030 beziffert die Studie das jährliche Einsparpotenzial auf mindestens 2 Mrd. Euro, ab 2035 auf mindestens 5 Mrd. Euro.

Kurz- und mittelfristig sieht die Untersuchung insbesondere bei der Einspeisung erneuerbarer Energien Ansatzpunkte. Werden beispielsweise Wind- und Solaranlagen sowie Batteriespeicher gemeinsam an Netzanschlusspunkten betrieben, lassen sich vorhandene Anschlusskapazitäten besser auslasten. Auch die gezielte Begrenzung seltener Einspeisespitzen kann den Leitungsbedarf reduzieren.

Ab Mitte der 2030er Jahre dürften dagegen zunehmend Verbrauchsspitzen durch Elektromobilität, Wärmepumpen und industrielle Elektrifizierung den Netzausbau bestimmen. Agora spricht sich deshalb dafür aus, flexible Stromverbraucher stärker in die Netzplanung einzubeziehen. Differenzierte Preissignale, die die lokale Netzauslastung berücksichtigen, und gezielte Steuerungsmöglichkeiten bei Netzengpässen sollen helfen, Belastungsspitzen zu begrenzen.

Bayernwerk-Netzausbauplan zeigt regionale Einsparmöglichkeiten

Wie sich unterschiedliche Planungsansätze auf den Netzausbaubedarf auswirken können, zeigt auch der aktuelle Entwurf des Netzausbauplans 2026 von Bayernwerk Netz. Der bayerische Verteilnetzbetreiber berechnet für sein Netz bis 2045 im Basisszenario einen Investitionsbedarf von rund 28,5 Mrd. Euro. In einem alternativen Smartszenario sinkt dieser auf 26,1 Mrd. Euro.

Die rechnerische Differenz beträgt 2,4 Mrd. Euro beziehungsweise rund 8,4 Prozent. Die Kostenangaben beruhen auf dem heutigen Preisstand und berücksichtigen keine Inflation.

Das Smartszenario setzt unter anderem auf eine stärkere netzdienliche Integration von Speichern und steuerbaren Verbrauchern, die gemeinsame Nutzung von Netzanschlusskapazitäten und einen netzverträglicheren Erzeugungsmix. Bereits das Basisszenario berücksichtigt bestimmte netzentlastende Maßnahmen. Die errechnete Kostendifferenz lässt sich deshalb nicht ausschließlich auf zusätzliche Flexibilität zurückführen.

In der Mittelspannung könnte der Leitungsbedarf um rund 3.000 km sinken, in der Niederspannung um weitere 5.000 km. Auch der Bedarf an Transformatoren und Umspannstationen würde zurückgehen. Neue Leitungen zur Anbindung zusätzlicher Umspannwerke bleiben allerdings erforderlich.

Die Ergebnisse sind aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsgebiete und Modellannahmen nicht unmittelbar mit den bundesweiten Agora-Berechnungen vergleichbar. Sie verdeutlichen jedoch, welchen Einfluss alternative Planungsansätze auf den regionalen Investitionsbedarf haben können.

Flexibilität in der Praxis: Netzregulierung als Voraussetzung für Einsparungen

Bayernwerk erprobt bereits verschiedene Möglichkeiten einer effizienteren Netznutzung. Dazu gehören Speicher mit dynamischen Leistungsgrenzen und ein netzdienliches Speicherprojekt in Wutzldorf. Die tatsächlichen Einsparungen dieser Einzelprojekte werden im Netzausbauplan nicht beziffert.

Auch die Bundesnetzagentur will mit der geplanten Reform der Netzentgeltsystematik (AgNes) ab 2029 stärkere Anreize für netzorientiertes Verhalten schaffen. Dynamische Netzentgelte sollen künftig dazu beitragen, Netzengpässe und Ausbaukosten zu begrenzen. Die konkrete Ausgestaltung ist allerdings noch offen.

Die Agora-Studie macht deutlich, dass technische Flexibilität allein nicht ausreicht, um die errechneten Einsparpotenziale zu erschließen. Entscheidend sind regulatorische Rahmenbedingungen, die es Netzbetreibern ermöglichen, flexible Anschluss- und Steuerungskonzepte verlässlich in ihre langfristige Ausbauplanung einzubeziehen. So lässt sich der notwendige Netzausbau durch eine stärkere Nutzung vorhandener Netzkapazitäten kostengünstiger gestalten.

© IWR, 2026


02.11.2026

 



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