Internationaler Netzanschluss-Stau: 3.000 GW warten auf Netzanbindung - Speicher und Hybridprojekte treiben Wachstum um 60 Prozent
Der Ausbau erneuerbarer Energien erhöht den Druck auf die Stromnetze. Lange Anschlussverfahren erschweren die Umsetzung neuer Projekte, während zunehmende Abregelung und niedrige Strompreise bei hoher Wind- und Solarstromerzeugung deren Wirtschaftlichkeit belasten. Die IEA sieht neben zusätzlichen Leitungen vor allem bei flexiblen Netzanschlüssen und Speichern Handlungsbedarf.
Netzanschluss-Warteschlangen: Speicherprojekte bestimmen den Zuwachs
Die zunehmende Nachfrage nach Netzanschlüssen zeigt sich in den umfangreichen Warteschlangen vieler Strommärkte. Für ihre aktuelle Auswertung hat die IEA Anschlussdaten aus 20 Ländern in Europa, Amerika, Asien und Ozeanien untersucht, darunter Deutschland, die USA, Indien und Japan.
Die erfassten 3.000 GW beziehen sich auf Projekte in fortgeschrittenen Netzanschlussverfahren. Die Zahl steht für geplante Anschlussleistung, nicht für bereits installierte Anlagen.
Der Anstieg um 60 Prozent geht laut IEA vollständig auf Batterie- und Hybridprojekte zurück, die etwa Solar- oder Windparks mit Speichern kombinieren. Die wartende Anschlussleistung eigenständiger Wind- und Solarparks hat dagegen insgesamt nicht zugenommen.
Parallel dazu werden in mehreren Ländern die Warteschlangen für Netzanschlüsse bereinigt. In Indien, Großbritannien und den USA haben strengere Anschlussregeln und Reformen der Anschlussverfahren dazu geführt, dass nahezu die Hälfte der eigenständigen Wind- und Solarprojekte in einer frühen Entwicklungsphase aus den Warteschlangen gestrichen wurde. Ziel ist es laut IEA, Projekte mit besseren Umsetzungsaussichten bei der Vergabe von Netzanschlüssen zu bevorzugen.
Auch in Deutschland zeigt sich die hohe Nachfrage nach Netzanschlüssen für Batteriespeicher. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gingen 2025 bei den deutschen Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern 18.158 Anschlussanfragen mit einer Gesamtleistung von 574 GW ein. Im selben Jahr erteilten die Netzbetreiber Anschlusszusagen über insgesamt 54 GW, darunter auch für Anfragen aus früheren Jahren. Da Projektentwickler teilweise mehrere Anfragen für dasselbe Speicherprojekt stellen, lässt die beantragte Leistung allerdings nicht unmittelbar Rückschlüsse auf den tatsächlich zu erwartenden Speicherausbau zu.
Abregelung von Wind- und Solarstrom könnte auf über 800 TWh steigen
Netzengpässe erschweren nicht nur den Anschluss neuer Wind- und Solarparks, sondern können auch die Einspeisung bereits bestehender Anlagen begrenzen. Nach IEA-Angaben hat sich die technisch bedingte Abregelung von Wind- und Solarstrom in wichtigen untersuchten Märkten sowohl 2024 als auch 2025 nahezu verdoppelt. Im Jahr 2025 erreichte sie knapp 200 TWh. Bis 2031 könnte dieser Wert auf mehr als 800 TWh steigen. Das entspräche laut IEA fast acht Prozent der gesamten Wind- und Solarstromerzeugung in der zugrunde gelegten Betrachtung.
Die wirtschaftlichen Folgen reichen über entgangene Stromerträge hinaus. Bereits in „Renewables 2025“ verwies die IEA darauf, dass steigende Abregelungsrisiken bei Windprojekten in Brasilien und Solarprojekten in Chile zu Projektabsagen und niedrigeren Ausbauprognosen beitrugen. Zusätzlich belasten niedrige oder negative Großhandelsstrompreise bei hoher erneuerbarer Erzeugung die Erlöse marktfinanzierter Projekte und langfristiger Stromlieferverträge.
Flexible Netzanschlüsse könnten zusätzliche Kapazitäten erschließen
Flexible Netzanschlüsse und eine bessere Auslastung bestehender Stromnetze könnten einen erheblichen Teil der derzeitigen Anschlussengpässe entschärfen. Nach IEA-Berechnungen im Bericht „Electricity 2026“ könnten dadurch weltweit bereits wartende Erzeugungs-, Speicher- und Verbrauchsprojekte mit einer Leistung von insgesamt 1.200 bis 1.600 GW ans Netz gebracht werden.
Davon entfallen 750 bis 900 GW auf Anschlüsse, bei denen Einspeisung oder Verbrauch zeitweise begrenzt werden können, und weitere 450 bis 700 GW auf Netzoptimierung und gezielte Verstärkungen.
Auch Speicher und Hybridkraftwerke können die Integration erleichtern, indem sie Strom zeitversetzt einspeisen und Abregelung unter geeigneten Bedingungen verringern. Nach IEA-Modellrechnungen liegen die Stromgestehungskosten solcher Hybridprojekte in vielen Regionen je nach Standort und Lieferanforderungen unter 75 US-Dollar je MWh.
Um das Potenzial flexibler Netzanschlüsse und technischer Netzoptimierung auszuschöpfen, sind nach Einschätzung der IEA auch Anpassungen der regulatorischen Rahmenbedingungen erforderlich. Gleichzeitig bleibt der Ausbau der Netzinfrastruktur notwendig: Bis 2030 müssten die jährlichen Netzinvestitionen nach IEA-Berechnungen um rund 50 Prozent steigen.
© IWR, 2026
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